24 Dez

Psychologie der Gegensätze

Gegensätze ziehen sich an und Gegensätze stoßen sich ab, sagt der Volksmund.

Es gibt Gegensätze, die sich einander bedingen, während andere Gegensätze einander ausschließen, sagt Dalai Lama; Gegensätze bilden Unterscheidungen, die für die Begriffsbildung notwendig sind, sagt Wittgenstein. Und nur aus den Unterschieden, die einen Unterschied machen, erkennen und lernen wird, sagt Bateson… Während viele Geschäftspartner ein ganz anderes Lied von der Psychologie der Gegensätze singen, – ein Lied, mit dem wir uns heute in diesem Artikel beschäftigen wollen. Doch beginnen wir langsam, beginnen wir mit einem Fall aus der Mediation:

Herr A und Herr B sind dicke Freunde aus der Studienzeit. Beide haben ein helles Köpfchen und sind ihrer Zeit im Denken weit voraus. Sie brechen das Studium ab, um ihr eigenes Ding zu drehen, sie gründen eine Firma. Alles läuft prima. Bis eines Tages – es sind mittlerweile 10 Jahre verstrichen – Herr A auf den Gedanken kommt, zu heiraten und sein Studium wieder aufzunehmen. „Ich will die Firma verlassen“, schreit Herr A. „Du musst in der Firma bleiben“, schreit Herr B. „Ich will meine Freiheit“, schreit Herr A. „Ich kann die Firma nicht ohne dich fortführen“, schreit Herr B. Mit diesem Geschrei kommen A und B in die Mediation und Sie als frisch gebackener Mediator bringen die Mediation in die Supervision. „Was sind die Phasen der Mediation?“, werden Sie gefragt. Und wie aus der Pistole geschossen antworten Sie: „Phase 1: Arbeitsbündnis – was brauchen die Medianden von mir um mit mir arbeiten und was brauche ich von den Medianden um mit ihnen arbeiten zu können. Phase 2: Themensammlung und Bestandsaufnahme – worüber wird verhandelt und was wird an Fakten, Daten, Unterlagen etc. gebraucht, um darüber verhandeln zu können. Phase 3: Sichtweisen und Bedürfnis – was ist passiert?, wie wurde es erlebt?, was wird gebraucht?, um was wird gebeten? Phase 4: Optionen sammeln, priorisieren und bewerten. Phase 5: Lösung verhandeln und vereinbaren.“ Der Supervisor lächelt sie an. Und sanft sagt er in smartem Ton zu Ihnen: „ Zwischen dem Kopf und dem Herz ist der Bauch nicht die Mitte. Es ist die Kehle. Die Kehle ist der Goldene Schnitt. In der Mediation ist die Sprache der Schlüssel, die Phasen 1 bis 5 bilden „nur“ den Rahmen dazu.“ Nun gut. Nur mal angenommen, Sie hätten die richtigen Worten gewählt und sich nicht im Tonfall vergriffen. Wie geht es dann weiter? Wie bringen Sie A und B aus der Gefahrenzone der Polarisation heraus?

Nach Professor Glasl ist die Polarisation in einem Konfliktfeld der Anfang vom Ende der Beziehung, während ich darin die einmalige Chance für eine Co-Existenz sehe. Und wir haben beide recht. „Wie das?“, höre ich Sie fragen. Wie soll das gehen, dass Sie beide rechthaben, wo Sie doch gegensätzliche Positionen beziehen? Und wie Sie mich das fragen, werfe ich Ihnen eine 2 Euro Münze zu, und noch bevor die Münze Sie erreicht, gebe ich Ihnen eine Handlungsanweisung dazu: Sie dürfen nur eine Seite der Münze in die Hand nehmen. Und wie die Münze Sie erreicht, greifen Sie nicht nach Ihr. Denn wie soll das gehen, dass Sie nur eine Seite der Münze in die Hand nehmen? Das geht nicht. Kein Mensch kann das vollbringen. Also lassen Sie die Münze unberührt zu Boden fallen. Und da liegt sie nun. Auf dem Boden. Mit dem Kopf oben auf, während die Zahl verdeckt nach unten liegt. Und Sie hören mich freudig rufen: „Ich habe gewonnen.“ Denn der Kopf liegt oben auf und nicht die Zahl. Was ich damit sagen will: Eine Münze, die aus der Bewegung zum Stillstand kommt, fällt (in der Regel) entweder auf die eine Seite oder auf die andere Seite und kommt nur ausnahmsweise auf dem Rand zum Stehen. Und darum habe ich recht, wie auch Herr Glasl recht hat, weil in der Münze beide Möglichkeiten (Kopf oder Zahl) gleichermaßen angelegt, es sei denn die Münze ist über das Gewicht einseitig manipuliert. Mit anderen Worten: Die Polarisation führt nur dann zum Ende der Beziehung, wenn sie aus dem Kontext / dem Muster der Autopoiese herausgerissen wird. Das jedenfalls behaupte ich, und das möchte ich Ihnen hier in diesem Artikel auch beweisen…

Der vollständige Artikel erscheint demnächst in der Fachzeitschrift DIE MEDIATION

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